Brauchwasser aus Abwasser

Brauchwasser aus häuslichem Abwasser?

Nach Einschätzungen der OECD wird bis zum Jahr 2030 annähernd die Hälfte der Weltbevölkerung in Gebieten mit Wasserstress leben. Auch in Europa wird der Anteil der Gebiete mit Wasserstress von derzeit 19 % auf circa 35 % im Jahr 2070 ansteigen[1].

In diesem Zusammenhang wird dem Abwasser eine bedeutende Rolle als alternative Versorgungsquelle zukommen. Daher richtet sich der Fokus in der Abwasserbewirtschaftung zunehmend auf:

Wiederverwendung – Wiederaufbereitung – Rückgewinnung“ anstatt „Behandlung und Entsorgung[2].


Dieser Perspektivwechsel definiert Abwasser nicht länger als kritisches Element des Wasserbewirtschaftungskreislaufes, sondern als Bestandteil einer Gesamtstrategie zur Bewältigung der mit dem restringierten Zugang von Wasser verbundenen sozialen und ökologischen Herausforderungen. Abwasser ist eine fortwährend verfügbare und zugleich potentiell wertvolle Ressource. Zur ökologisch motivierten und ökonomisch bedingten Steigerung der Effizienz der Wassernutzung empfiehlt sich primär die zielgerichtete Wiederverwendung von behandeltem Abwasser am Entstehungsort. Kleinkläranlagen können diesen Anforderungen grundsätzlich, auch in Relation zu Großkläranlagen in besonderem Umfang angemessen Rechnung tragen.

Anforderungen an an die Brauchwasserqualität

Für eine grundlegende Orientierung an eine geeignete Brauchwasserqualität können, auch im Hinblick auf eine noch ausstehende Ausgestaltung gesetzgeberischer Bestimmungen in Deutschland, Regelungen für kommunale Anlagen aus der Gewässerschutzverordnung der Schweiz herangezogen werden. Die Gewässerschutzverordnung schreibt bei Normalbetrieb eine Eliminationsleistung von 80 % gegenüber Mikroverunreinigungen vor. Dies bedeutet, dass alle Behandlungsstufen einer Kläranlage beim Einleiten in das Gewässer eine 80 %-Elimination von festgelegten Leitparametern vorweisen müssen. Dabei wird der Mittelwert der prozentualen Eliminationsleistung aus allen ausgesuchten Leitparametern ermittelt. Dieser Mittelwert muss > 80 % sein, sodass das Ergebnis als positiv eingestuft wird.

Im Hinblick auf eine unbedenkliche Brauchwassernutzung kann zusätzlich eine Entkeimung des Abwassers als vornehmliches Anliegen definiert werden. Dieses Qualitätsziel lässt sich aus der deutschen Trinkwasserverordnung ableiten. Neben diesen, der Schweizer Gewässerschutzverordnung sowie der deutschen Trinkwasserverordnung zu entnehmenden, ökologischen Wasserqualitätszielen sollte ebenfalls die Energiebilanz der dezentralen Abwasserbehandlung berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang sollte die erweiterte Reinigungsstufe einen Energiebedarf aufweisen, der sich im Rahmen des Energieverbrauchs des Regelbetriebes der Kleinkläranlage bewegt. Damit soll gewährleistet werden, dass sich der zu entwickelnde erweiterte Reinigungsprozess in das wirtschaftliche Gefüge eines dezentralen Abwasserbehandlungskonzeptes integrieren lassen kann.

Überwachung der Reinigungsleistung

Essenziell für eine forcierte Wasserwiederverwendung ist neben einem geeigneten Prozess zur Abwasseraufbereitung auch die Implementierung einer einfachen und sicheren Überwachung der Reinigungsleistung. Bislang ist ein detaillierter Aufschluss über die tatsächlich vorliegende Belastung bspw. im Hinblick auf Mikroschadstoffkonzentrationen von häuslichem Abwasser nur durch die Charakterisierung mittels HPLC-MS, GC‑MS oder vergleichbaren Fraktionierungstechniken möglich. Diese Analysemethoden sind für eine zeitnahe und kostengünstige Evaluation der Reinigungsleistung im Kontext der dezentralen Abwasserbehandlung jedoch wenig praktikabel. Daher müssen im Zusammenhang mit der Entwicklung eines geeigneten Prozesses zur Brauchwasseraufbereitung auch geeignete Qualitätsparameter zur Überwachung des Prozesses gefunden werden. Im Forschungsprojekt IDA (2018-2022) der batchpur GmbH & Co KG wird die Entwicklung eines Brauchwasserkreislaufs aus dem häusliche Abwasserstrom forciert betrachtet. Bei der ganzheitlichen Behandlung des häuslichen Abwasser soll es sich um ein neuartiges Verfahrenskonzept mit hoher Nutzertransparenz handeln. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt IDA.